Quereinstieg in die IT: Mein Weg vom Koch zum Cloud-Sysadmin

Vom Koch zum Cloud-Sysadmin: Wie ich ohne Studium in die IT wechsle, welche Coursera-Kurse mir helfen und warum ich über den Support einsteige.

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*Dies ist der erste Artikel einer Reihe. Ich schreibe ihn nicht, weil ich schon
angekommen bin, sondern weil ich mittendrin stecke – und weil genau diese
Perspektive in den meisten Ratgebern fehlt.*

Ich bin Jahrgang 1989, gelernter Koch und habe zuletzt im Kundenservice gearbeitet. Heute
lerne ich IT-Support, Automatisierung mit Python und baue mir auf einem eigenen
Server eine Umgebung auf, die ich vor zwei Jahren nicht einmal verstanden hätte.
In diesem Artikel erzähle ich, wie ich dahin gekommen bin, was ich falsch gemacht
habe und wie mein Plan für die nächsten Monate aussieht.

## Kurzfassung

* **Ausgangspunkt:** Ausbildung als Koch, danach verschiedene Jobs, zuletzt
Kundenservice beim Beitragsservice.
* **Heute:** IT-Support-Zertifikat abgeschlossen, zweiter Coursera-Kurs
(IT Automation with Python) läuft, eigener VPS mit Docker, Nginx, Paperless,
n8n und Ollama.
* **Ziel:** Systemadministration im Cloud-Bereich – über den Umweg IT-Support.
* **Dauer:** realistisch 12–24 Monate, nicht 3 Monate.

## Vom Koch zum Kundenservice

Meine Ausbildung war eine klassische Kochlehre. Danach habe ich mehrere
berufliche Wege ausprobiert, weil ich herausfinden wollte, wo ich hinpasse. Der
letzte war der Kundenservice beim Beitragsservice: ein sicherer Job mit
geregelten Zeiten – und trotzdem das Gefühl, dass ich hier nicht bleiben will.

Der Auslöser war kein dramatischer Moment, sondern eine Summe: dieselben
Gespräche, dieselben Abläufe, keine Entwicklung nach oben. Und daneben ein
Hobby, das ich seit meiner Kindheit nie ganz losgeworden bin.

## Computer waren immer da

Ich bin 1989 geboren und mit Rechnern aufgewachsen. Erst spielen, dann
installieren, dann reparieren – bei Freunden und Familie war ich irgendwann der,
der den Rechner wieder zum Laufen gebracht hat. Das war nie ein Plan, sondern
Neugier. Genau deshalb war der Gedanke, daraus einen Beruf zu machen, so
naheliegend – und gleichzeitig so ungewohnt.

## Was ich zuerst falsch gemacht habe

Mein erster Anlauf war unstrukturiert: Tutorials hier, ein YouTube-Video da,
mal ein bisschen Python, dann wieder nichts. Das Problem war nicht mangelndes
Interesse, sondern das Fehlen einer Richtung. Ohne Ziel lernt man viel und kann
nichts davon zeigen.

Was mir geholfen hat, war eine klare Entscheidung:

1. **Erst ein Bereich, dann alles andere.** Ich habe mich für Support
entschieden, weil dort Berufserfahrung möglich ist, ohne dass ich schon
Spezialist sein muss.
2. **Ein Zertifikat als Leitplanke.** Ein Kurs mit festem Curriculum zwingt
mich, Dinge abzuschließen, die ich mir allein nie vorgenommen hätte.
3. **Ein eigenes Projekt als Prüfstein.** Theorie merkt man sich, bis der Kurs
vorbei ist. Was man auf einem Server zum Laufen bringt, bleibt.

## Was bei mir funktioniert

Ich lerne in Eigenverantwortung – kein Studium, keine Umschulung, keine
Bootcamp-Rechnung.

**Coursera, zwei Kurse**

Zuerst das IT-Support-Zertifikat: Netzwerke, Betriebssysteme, Hardware,
Troubleshooting, Kundengespräche. Danach „IT Automation with Python" – dort
geht es um Skripte, die Aufgaben übernehmen, die man sonst per Hand macht:
Dateien verwalten, Logs auswerten, Prozesse automatisieren.

Der zweite Kurs ist der spannendere, weil er genau an der Grenze zwischen
Support und Systemadministration liegt. Wer Support-Aufgaben automatisiert,
denkt schon wie ein Admin.

**Ein eigener Server als Spielwiese**

Statt nur mitzulesen, habe ich mir einen VPS gemietet und darauf eingerichtet:

* **Docker** für die Container
* **Nginx Proxy Manager** für die Domains und TLS-Zertifikate
* **Paperless** für Dokumente
* **n8n** für Automatisierungen
* **Ollama** und **Open WebUI** für lokale Sprachmodelle
* und schließlich **Ghost** für diesen Blog

Das ist kein Enterprise-Setup. Aber ich habe dabei gelernt, was in keinem Kurs
steht: warum ein Container nicht startet, was ein Reverse Proxy eigentlich macht,
warum Ports und Zertifikate zusammenhängen und wie man ein Backup so baut, dass
es im Ernstfall wirklich hilft.

## Warum über den Support in die Cloud?

Der Wunsch, direkt als Cloud-Admin einzusteigen, ist verständlich – und für
jemanden ohne IT-Berufserfahrung unrealistisch. Cloud-Systeme setzen
Linux-Kenntnisse, Netzwerkverständnis und Betriebserfahrung voraus. Die lernt
man am schnellsten dort, wo Systeme wirklich im Betrieb sind.

Mein Plan ist deshalb bewusst konservativ:

| Phase | Zeitraum | Inhalt |
| --- | --- | --- |
| 1 | jetzt | Zertifikate abschließen, Homelab dokumentieren, Bewerbungen vorbereiten |
| 2 | 3–9 Monate | Einstieg als IT-Support / First-Level / Anwenderbetreuung |
| 3 | 9–18 Monate | Im Job Richtung Linux, Netzwerke, Skripting; Cloud-Grundlagen (AWS oder Azure) |
| 4 | 18–24 Monate | Wechsel in Richtung Systemadministration / Cloud Operations |

Der Umweg ist kein Umweg. Er ist der Weg.

## Was ich anders machen würde

* **Früher dokumentieren.** Ich habe viel ausprobiert und wenig aufgeschrieben.
Rückblickend war das der größte Zeitverlust.
* **Weniger Kurse parallel.** Zwei Zertifikate gleichzeitig klingen gut, bringen
aber nichts, wenn keins abgeschlossen wird.
* **Früher mit anderen reden.** Ein Gespräch mit jemandem, der den Weg schon
gegangen ist, hätte mir Monate erspart.

## Fazit

Ich bin nicht fertig. Ich habe einen Plan, ein Zertifikat, einen laufenden
Server und eine ziemlich klare Vorstellung davon, wo ich in zwei Jahren sein
will. Wer einen ähnlichen Weg vorhat: Der wichtigste Schritt ist nicht der
perfekte Kurs, sondern der erste abgeschlossene.

In den nächsten Artikeln schreibe ich darüber, wie ich den Support-Einstieg
angehe, welche Zertifikate sich lohnen und wie mein Homelab aufgebaut ist.

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